Darmflora und Darmschleimhaut werden auch in der homöopathischen Betrachtung chronischer Fälle berücksichtigt. Was steckt hinter der Idee, dass Darmnosoden hier einen Impuls geben könnten?
Darmnosoden in der Tierhomöopathie: Was steckt dahinter?
Der Darm ist bei Mensch und Tier weit mehr als ein Verdauungsorgan. Er nimmt Nährstoffe auf und steht in Verbindung mit verschiedenen Funktionen des Körpers. Weil die Bedeutung von Darmflora und Darmschleimhaut heute viel Aufmerksamkeit erhält, wollten wir auch eine besondere Gruppe der homöopathischen Arzneimittellehre genauer betrachten: die Darmnosoden. Daraus ist unsere Online-Seminarreihe mit Kirsten Händel entstanden.
Was sind Darmnosoden?
Ausgangsmaterial sich auf bestimmte Darmbakterien bezieht. Sie sind keine Probiotika und führen keine lebenden Darmbakterien zu. In der homöopathischen Lehre werden sie als eigene Arzneimittelgruppe betrachtet und im Zusammenhang mit einer individuellen Fallbetrachtung eingeordnet.
Bei länger bestehenden oder wiederkehrenden Beschwerden kann es sinnvoll sein, die Darmfunktion in der Anamnese mitzuberücksichtigen. Kirsten nennt in ihren Unterlagen unter anderem häufige Infektionen oder Antibiotikabehandlungen, Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und wechselnde Kotbeschaffenheit, allgemeine Mattigkeit sowie einen Verlauf, bei dem trotz bisheriger Ansätze keine anhaltende Verbesserung eintritt.
Solche Hinweise sind unspezifisch. Sie beweisen weder eine Dysbiose noch zeigen sie, dass eine Darmnosode passend wäre. Sie sind Anlass, den gesamten Fall sorgfältig zu betrachten und bei Bedarf tierärztlich abklären zu lassen.
Reichen Diät und Probiotika aus?
Beim Einsatz von speziellen Diäten und Probiotika, um den Anteil bestimmter laktosefermentierender Bakterien im Stuhl zu erhöhen, zeigte sich nach Beendigung der Maßnahmen, dass die Zusammensetzung der Darmflora teilweise wieder in die vorherige Situation zurückgekehrt.
Dies hängt damit zusammen, dass an der Darmwand im sog. Biofilm angeheftete Bakterien wesentlich schwieriger zu beeinflussen und zu verändern sind als im Darm frei vorkommende Bakterien.
Welche Rolle können Darmnosoden spielen?
Die homöopathische Hypothese lautet, dass Darmnosoden einen anderen Impuls auf das Zusammenspiel von Darmflora und Darmschleimhaut geben könnten. In Kirstens Seminar wird die Möglichkeit beschrieben, dass sich durch den Einsatz von Darmnosoden die Oberflächenkennung des Wirts bzw. die Haftung bestimmter Bakterien an der Darmwand positiv verändert lässt. D.h., das Darmmilieu belastende Bakterien können so aus dem Biofilm gelöst und vermehrt mit dem Stuhl ausgeschieden werden.
Malcolm (2007) beobachtete ebenfalls eine zeitliche Verbindung zwischen einer vermehrten Ausscheidung nicht laktosefermentierender Bakterien, abgekürzt NLFB, und einem gleichzeitig verbesserten Befinden.
Was wird zur Anwendung bei Tieren berichtet?
Kirsten verweist auf den homöopathischen Tierarzt John Saxton. Er ließ nach der von Paterson beschriebenen Labormethode Kotproben von Hunden und Katzen auf NLFB untersuchen. Die Tiere hätten in den vorausgegangenen sechs Monaten keine Medikamente erhalten. Tatsächlich fand Saxton in den Proben verschiedene Arten dieser Bakterien.
Saxton und andere homöopathische Fachautoren berichten außerdem von Erfahrungen mit Darmnosoden bei Haustieren und Vögeln.
Sorgfältig einordnen
Darmnosoden sind eine spezialisierte Gruppe innerhalb der homöopathischen Arzneimittellehre. Ihre historische Entwicklung wird mit Edward Bach und John Paterson verbunden. Paterson veröffentlichte 1950 einen Beitrag über die Darmnosoden. Die historischen Arbeiten zeigen, wie diese Gruppe innerhalb der Homöopathie entwickelt und verstanden wurde. Eine homöopathische Begleitung sollte notwendige tierärztliche Diagnostik oder Behandlung nicht ersetzen oder verzögern.
Kirsten Händel behandelt die Entstehung der Darmnosoden, zehn Mittel im Einzelnen, ihre Materia Medica und ihre homöopathischen Einsatzmöglichkeiten in einer dreiteiligen Online-Seminarreihe.
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